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Rehkitzretter zu Gast im Landtag

Überwältigende Resonanz auf Einladung der Landtagsabgeordneten Sarah Schweizer.


Stuttgart. Auf Einladung der Göppinger Landtagsabgeordneten und jagdpolitischen Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion Sarah Schweizer trafen sich erneut mehr als 60 Rehkitzretter aus ganz Baden-Württemberg zum Wissens- und Erfahrungsaustausch im Stuttgarter Landtag. Dabei wurde deutlich, dass sich die Rahmenbedingungen für die drohnengebundene Kitzrettung zwar schon verbessert haben, aber weiter Handlungsbedarf besteht. Große Sorge bereitet den Ehrenamtlichen hingegen eine Verschärfung der EU-Vorgaben zum Einsatz von Drohnen. Im Mittelpunkt des Abends stand vor allem auch eine bessere Vernetzung aller Beteiligten.

 

„Rehkitzrettung ist gelebter Tierschutz, bringt Jägerschaft, Landwirte und Ehrenamtliche zusammen und ist ein Paradebeispiel dafür, was wir erreichen können, wenn unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen gemeinsam an einem Strang ziehen“ betonte Sarah Schweizer gleich zu Beginn des Abends. Als Göppinger Kreisjägermeisterin und Vorsitzende des Kitzrettungsvereins SchwabenKitz, ist Schweizer auch persönlich in der Rehkitzrettung engagiert. Auch der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) betonte den hohen Stellenwert der Rehkitzrettung für das gesamtgesellschaftliche Ansehen und die Sympathie der Jägerschaft auch in eher naturfremden Bevölkerungsgruppen. Jedes gerettete Kitz sei ein wertvoller Beitrag für weniger Tierleid, so Hauk. Der Minister lobte diese wichtige Arbeit von ehrenamtlichen Kitzrettern, Landwirten und Jägern. Die Bedeutung des Einsatzes der Kitzretter an der Schnittstelle zwischen Jägerschaft und Bauernschaft hob der Vorsitzende des Arbeitskreises Ernährung, Ländlicher Raum und Verbraucherschutz der CDU-Fraktion, Klaus Burger hervor. Längst seien die Kitzrettungsteams zu einer unverzichtbaren Unterstützung der Landwirte geworden, um der gesetzlichen Verpflichtung zu Vorsorgemaßnahmen vor der Mahd nachzukommen.

 

Im Hinblick auf die im April / Mai beginnende Setzzeit der Rehe und damit Beginn der Einsatzzeit für die Kitzretter, sorgt vor allem die zum 31.12.2023 ausgelaufene Übergangsfrist für nicht zertifizierte Drohnen im Rahmen der EU-Drohnenverordnung für viel Verunsicherung.  Die neuen Regelungen haben zur Folge, dass beliebte Bestandsdrohnen wie die „Mavic 2“, die in den vergangenen Jahren von vielen Rehkitzvereinen mit der Drohnenförderung des Bundes angeschafft wurden, in dieser Saison nur noch in der schlechtesten Kategorie OPEN A3 geflogen werden dürfen. In dieser Kategorie muss Standardmäßig ein Abstand von mindestens 150 Metern zu Wohngebieten, Gewerbegebieten und Erholungsgebieten eingehalten werden, wodurch die Kitzrettung mit Bestandsdrohnen in siedlungsnahen Gebieten unmöglich gemacht wird. Die neuen EU-Vorgaben führen somit zu einem weiteren hohen bürokratischen Aufwand der Kitzretter bis hin zur gänzlichen Neuanschaffung von Drohnen.

 

Trotz einiger Verbesserungen, die seit dem letzten Treffen erreicht werden konnten, ist in einigen Regierungspräsidien zudem weiterhin eine uneinheitliche Verwaltungspraxis der unteren Naturschutzbehörden bei der Genehmigung von Drohnenflügen in Naturschutz- und FFH-Gebieten zu beobachten, die ebenfalls zu viel Frust führt. Schweizer will sich hier weiter für Vereinfachungen einsetzen: „Viele Behörden sind hier schon deutlich pragmatischer unterwegs. Einige haben aber noch Luft nach oben, das müssen wir uns nochmal ansehen. Es kann doch nicht sein, dass auf die vielen hundert Stunden, die Kitzretter ehrenamtlich in aller Hergottsfrüh im Einsatz sind, noch unnötig viele Stunden für das Stellen von komplexen Anträgen dazu kommen. Das muss schlanker gehen. Schweizer schlägt deshalb vor, dass standardisierte Drohnenflüge zum Absuchen von Wiesen vor der Mahd als gute fachliche Praxis der Landwirtschaft gelten, die ohne Ausnahmegenehmigung möglich sind. „Das wäre doch auch mal ein echter Beitrag zum Bürokratieabbau“, so Schweizer.

 

Sehr positiv wurde von den Kitzrettern die Information von Simon Keck vom Landesjagdverband Baden-Württemberg aufgenommen, dass die Drohnenförderung des Bundeslandwirtschaftsministeriums auch 2024 fortgesetzt werden soll. Keck informierte auch zur aktuellen Online-Schulung des Landesjagdverbandes zur Befliegung von FFH- und Naturschutzgebieten. Wichtig für die Kitzretter ist auch die Frage der Finanzierung. Eine Wärmebilddrohne kostet schnell 6.000 bis 8.000 Euro. Hierzu informierte Hans-Jörg Andonovic-Wagner, Co-Vorsitzender von SchwabenKitz. Neben Anfragen an Kommunen, Crowdfunding und dem Sponsoring durch Banken und Versicherungen habe sich auch die Eintragung in Bußgeldlisten bewährt, um von Geldauflagen aus Strafverfahren zu profitieren.

 

Hintergrund:

 

In den vergangenen Jahren haben sich überwiegend aus dem Kreis der Jägerschaft landesweit mehr als 60 Rehkitzvereine und -Initiativen zusammengeschlossen, um Rehkitze, aber auch Niederwild und Bodenbrüter vor dem Mähtod zu bewahren. Durch ihr natürliches Verhalten, sich bei Gefahr ins hohe Gras zu ducken, werden die im Frühjahr gesetzten Kitze häufig Opfer des Schneidwerks, mit dem die Wiesen gemäht werden. Durch größere zusammenhängende Flächen, kürzere Erntephasen sowie den Einsatz von Mähmaschinen mit großer Schnittbreite hat die Gefahr für die im Gras abgelegten Rehkitze in den vergangenen Jahren weiter zugenommen. Vor allem in den Monaten der Heumahd Mai und Juni sind die Kitzrettungsteams überwiegend in den frühen Morgenstunden zur Absuche der zu mähenden Wiesen im Einsatz. Als technischer Standard hat sich dabei der Einsatz von Drohnen in Kombination mit Wärmebildtechnik etabliert.

 

 

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